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Berlinized Review by Christoph Jacke for testcard #24

BERLINIZED. SEXY AN EIS

Ein Film von Lucian Busse
Der Künstler und Musiker Jim
Avignon bringt es auf den Punkt:
Wenn man das Gefühl hat, nicht
nur selbst dauernostalgisch zu sein,
sondern, viel schlimmer, einem
das von außen, also von anderen,
zugeschrieben wird, weil man ja
eben zu einer bestimmten Zeit mal
künstlerisch prägend war, wenn
man oder das eigene Schaffen
dadurch allmählich immer fester
auf diese Zeit bezogen wird, obwohl
die Erde sich bekanntlich weiter
gedreht hat, dann ist es in der Tat
Zeit, ausdrücklich weiter zu ziehen,
neue Ufer zu entdecken. Avignon
selbst hat das durch sein mehrfaches
Verlieben in New York getan.
Und ist voran geschritten, ohne
seine Geschichten zu verleugnen.
Wieso auch? Hat er überhaupt
nicht nötig. Avignon und mit ihm
sehr viele Musikerinnen, Künstler,
Journalisten und Kreative stehen
für eine bestimmte Aufbruchsphase
in der (neuen) Bundeshauptstadt
Berlin. Wenn man also mit
Berlinized − Sexy an Eis entspannt
zurück schaut und damit hier per
Filmdokumentation so etwas wie
eine »filmed oral history« festhält,
dann ist das von Regisseur Lucien
Busse nicht nostalgisch gemeint
oder inszeniert. Sondern es wird
von der Produktionsseite und den
hier vorgestellten Protagonisten
nach den Ursprüngen dieser später
vermarkteten armen Sexiness
und sexy Armut geforscht und
immer wieder belegt, dass deren
Suche nach Neuem oftmals aus
einer produktiven Naivität heraus
geschah. Mit 25 geht man mit Raum
und Zeit eben anders um als mit 45.
Die Twens und das Berlin der 1990er
Jahre gehören unwiderruflich
zusammen: Als erst die Mauer
gefallen war und alles in den − aus
westdeutscher Hipster-Perspektive
− Osten strömte, da wurde
klar, dass diese große Stadt Berlin
zwischen neuem Deutschland und
selbstorganisierter, irgendwie auch
anarchistischer Clubkultur ein
faszinierendes Janus-Gesicht erhalten
sollte (so sie das nicht mit anderen
Konnotationen immer schon hatte).
Von diesen neuen Räumen, in denen
sich künstlerisch und freizeitmäßig
eingerichtet wurde, in denen
auch beides unaufhörlich zusammen
fallen sollte, berichtet diese
einfühlsame Dokumentation. Busse
gelingt es, weder gefühlsduselig das
früher immer grüner gewesene Gras
abzufeiern, noch im Nachhinein
despektierlich abzuwerten: ›Naja,
damals, da waren wir jung und
haben an den Quatsch geglaubt‹.
Nein, Busse hat mit bewusst unspektakulären
Vertreterinnen und
Vertretern − und zwar zu gleichen
Teilen − ausführlich und immer
wieder gesprochen. Die Berliner
Clubkunstkultur der 1990er Jahre
zeichnete sich eben auch durch
eine zumindest gefühlte Gleichberechtigung
aus, und zwar vom
Zapfhahn über das Kuratieren bis
zur Bühne selbst. In Gespräch mit
Jim Avignon, der Künstlergruppe
Honey Suckle Company (SimGil, Kim
Suckle und Ninja Pleasure), Hannes
Romberg/Captain Space Sex, Vredeber
Albrecht, dem Mitbegründer der
Galerie berlintokyo oder Jan Edler
vom Kunst & Technik ergibt sich
eine Art Narration aus vielen Unter-
und Seitengeschichten zu den
jungen und unetablierten Club-,
Musik- und Kunstszenen Berlins
zwischen Trash, DJ-Kultur und elektronischen
Experimenten in Sachen
Musik und Medien. Da gab es eben
aus aller Herren Bundesländer
zugereiste Ideengeber, die in Berlin
die Möglichkeiten hatten, einfach
selbst loszulegen und etwas neu
aufzubauen, auch im Umbruch nach
den kalt-kriegerischen, heroinigen
1970ern (Bowie, Pop) und 1980ern
(Neubauten, Nick Cave, Crime & City
Solution). Dass dieses dann später
und vor allem heute geordneter
und größer in Form von weniger
chaotischen und spontanen Events
wie den Großstadtstränden, Kunstclub-
Parties oder Vermengungen
aus Hoch- und Popkultur führte,
macht den Wert der ursprünglichen
Originalitäten nur um so deutlicher.
Und während sich die Billigfliegerund
Druckbetankungs-Touris damit
in homöopathischen Dosen anfreunden,
sind mit Sicherheit schon
längst woanders wieder Twens
dabei neue innovative Welten zu
basteln und zu bauen.
Berlinized − Sexy an Eis (nach einem
selbst gemischten Drink in der
Galerie berlintokyo benannt) wird
von von Songs der Erwähnten plus
einem Mina-Auftritt und eigens für
den Film eingespielter Musik von
Sofie Hein aka Lucyhoneychurch
zwischen Techno, Indietronics,
smoothem BigBeat und TripHop
untermalt. Damit arbeitet der Film
nicht nur unaufgeregt und charmant
zwischen Originalaufnahmen
und neuen Interviews, zudem sehr
vielen wortlosen Stimmungen ein
Stück Stadt- und Popkulturgeschichte
auf, sondern vermittelt die bis in die
späten 1990er und schichte auf, sondern
vermittelt die bis in die späten 1990er
und frühen 2000er Jahre stark und
beständig zu spürende Stimmung unter
bestimmten,miteinander vernetzten
Leuten in Berlin auf. Für Zeitzeugen,
die ja höchstselbst ebenso wie Jim
Avignon eine Weiterentwicklung
erfahren haben, darf aber auch
mal eine kleine Sentimentalität
erlaubt sein: Ich habe sofort einen
alten Kitty Yo-Sampler aus dem
Regal geholt und gehört und stehe
wieder zwischen Diederichsen in
der WMF-Reihe, mit Nikki Sudden,
Emilio Winschetti oder Hugo Race
an der verrauchten Theke des
Ex’n’Pop, bei Rechenzentrum und
Supercollider in der Volksbühne,
»Grillabenden« in Mitte oder auf
einer Party um einen rappenden
Gonzales. Heute wird der Pullover
eben leger über die Schulter
gehängt, Ärmel verschränkt vor der
Brust. Damals war es die Clubwear.
Die (guten) Menschen sind ja im
Kern sie selbst geblieben.

[ D 2011, 83 Min., Berlinized/darling berlin ]
Christoph Jacke

www.testcard.de

BERLINIZED DVD RELEASE PARTY – BERLIN

darling berlin und Lichtblick Kino presents: BERLINIZED DVD RELEASE PARTY PLATOON KUNSTHALLE BERLIN January 8th 2015 8pm BERLINIZED screening + Filmtalk LUCYHONEYCHURCH – Live Berlinized soundtrack Composer Sofie Hein www.lucyhoneychurch.com WICHSWUT – Live Eddie Chebbie, Sascha Niemann, Lucian Busse, Lars Deutrich www.wichswut.com ALIEN TV Visuals Dj Joe Dilworth Platoon Kunsthalle Schönhauser Allee 9 10119 Berlin […]

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Berlinized November screening at Lichtblick Kino Berlin

Lichtblick Kino Sunday. Nonember  09th 2014 8pm BERLINIZED + Visualistic Freeform by Alien TV a Portrait about Alien TV. Q&A with director Lucian Busse Kastanienallee 77, 10437 Berlin make your reservations via email info@lichtblick-kino.org or by phone 030 44058179 Facebook Event

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Berlinized September screenings

Open Air screning Freilichtbühne Weißensee BERLINIZED +Q&A with director Lucian Busse Wednesday 17.09.14 8pm Große Seestraße 9, 13086 Berlin Tel. 0152 – 15 77 41 42 Facebook Event   Lichtblick Kino BERLINIZED + Visualistic Freeform by Alien TV a short portrait about Alien TV. Q&A with director Lucian Busse and Berlinized Soundtrack composer Sofie Hein. […]

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Berlinized, Lichtblickkino Berlin in July

BERLINIZED in July at Lichtblick-Kino Berlin followed by a Q&A with Berlinized director Lucian Busse. sunday 20.07. 8:30pm Lichtblick Kino Kastanien Allee 77 10435 Berlin We recommend to make a reservation by phone 030 44058179 pr email: info@lichtblick-kino.org

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